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Mein Tag als Brausetablette

Völlig zu verschwinden ist gar nicht so einfach. Und warum wollen wir eigentlich abhauen? Um vermisst zu werden.

Ich finde tierischen Gefallen daran, mir mein Verschwinden vorzustellen. Beim letzten derartigen Gedankenexperiment lag ich gerade in der Badewanne. Das wäre doch etwas, dachte ich, wenn man sich einfach auf Kommando auflösen könnte, so wie eine Vitamintablette am Boden eines Sprudelwasserglases. Es müsste ja auch nicht brutal sein und eklig, eher angenehm, prickelnd auf der Haut, ein Abgang mit Brauseeffekt. Meine Mitbewohnerin würde irgendwann an die Tür klopfen, keine Antwort bekommen, reinkommen, sich wundern, klar. Aber was bliebe ihr schlussendlich anderes übrig, als schulterzuckend den Stöpsel zu ziehen — und swoosh, wären meine flüssigen Überreste auf dem Weg in die Berliner Kanalisation. Tschau!