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Existenzielle Löcher

Die mangelhafte Vorbereitung auf die Zukunft wird von den Planungsextremist*innen als sozialer Defekt identifiziert.

Montagmorgen. Der Terror beginnt in aller Früh, irgendwo auf dem Weg zwischen Kaffeemaschine und Schreibtisch: „Hey, hast du das Facebook-Event gesehen? Hast du noch nicht? RSVP doch mal bitte! Das wäre doch was!“ Draußen auf dem Gang wird eine Kollegin ins Kreuzverhör genommen. Die Planungsextremist*innen haben sie erwischt. Und nicht nur sie. In WGs, Co-Working-Spaces, Kaffeeecken: Überall werden chronisch Unverplante von militanten Planer*innen in geistige Geiselhaft genommen. Wo etwa die Frage nach den Silvesterplänen früher noch für die Wintermonate reserviert war, ist man heutzutage auch beim sommerlichen Picknick am See nicht mehr vor ihr gefeit. Wo die Wochenendpläne unlängst noch wörtlich genommen und erst zum Ende der Woche überprüft wurden, gilt es für die Planungsverweigerer*innen heute bereits am Sonntagabend an den ersten Ausreden zu tüfteln.