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Es wär einmal

Wie man richtig wünschen könnte.

Wenn ich mir wünschen könnte, was ich wollte, und das dann auch noch wahr werden würde, so würde ich gar nicht wissen, was ich mir zuerst wünschen müsste. Wenn die Anzahl der Wünsche dann auch noch begrenzt wäre und der Wunsch nach mehr Wünschen absolut ausgeschlossen wäre, würde es herausfordern, herauszufinden, nach welcher Wichtigkeit Wünsche kategorisiert werden könnten oder müssten. Wenn so etwas möglich wäre. Wer würde denn solche Kriterien festlegen? Ich? Die anderen? Keine*r? Wir alle zusammen? Und wenn ja, wann sollten wir damit anfangen? Jetzt oder lieber nie? Eine solche Diskussion über die Wichtigkeit von Wünschen würde wohl vor allem ein Ergebnis haben: Kopfschmerzen. Nicht unbedingt angenehme Aussichten. Aber für den richtigen Wunsch könnte man diese Lästigkeit durchaus in Kauf nehmen. Aber was wäre denn ein richtiger Wunsch? Weltfrieden? Gleichheit für alle? Keine Angst vor nichts mehr haben zu müssen? Eins zu sein mit dem Universum? Immer die richtige Entscheidung treffen zu können, ohne sie treffen zu müssen? Quasi eine Win-win-Situation par excellence?

Wenn wir uns entscheiden müssten, wären die Gedanken und Wünsche von nebenan doch immer irgendwie die attraktiveren, wenngleich auch unerreichbar, und die eigenen verkümmerten zu verschrumpelten Klumpen, kaum größer als ein Staubkorn. Kaum sichtbar, im Schatten des Gegenübers, verhüllt im Mantel der Eitelkeit. Was wäre nicht alles möglich, wenn wir nicht immer nur nach Herrn Nachbars Wünschen schielen würden? Vielleicht ein Planet, der friedlich um sich selbst kreisen könnte, ohne dabei ständig seinem eigenen Untergang ausgesetzt zu sein. Oder zumindest die Akzeptanz des eigenen Selbst ohne Angst vor feindlicher Übernahme fremder Gedankenwünsche. Das wäre dann und wann vielleicht ein bisschen langweilig, aber wir könnten wahrscheinlich gemütlich auf der Wattewolke sitzen und würden die Füße im Wind baumeln lassen.

Und am Ende wäre alles anders. Vielleicht irgendwie einfacher oder eben auch nicht, bestimmt aber irgendwie. Wenn wir solche Gedanken aufgreifen und sie auch zu Ende führen würden, ohne dabei Kopfschmerzen haben zu müssen. Das würde ich mir wünschen.