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Being Blurry

Scharfe Bilder zeigen schon lange nicht mehr, wie die Welt wirklich ist. Aber Uneindeutigkeit ist auch eine Chance, vor allem im Blick auf uns selbst.

Wir leben in unscharfen Zeiten. Einer der vielen Profilbildtrends auf Facebook besteht darin, sich hinter wackeligen Selbstporträts zu verstecken. Der Musiker James Blake zeigt sich auf dem Cover seines ersten Albums gern verschwommen und sogar der sonst sehr kontrastfreudige Marilyn Manson geht mittlerweile ganz in Weiß auf. Auch zahlreiche geisteswissenschaftliche Bücher geben sich „blurry“, besonders dann, wenn es um das Verhältnis zwischen Menschen und technischen Medien geht. Unschärfe steht für Ungreifbarkeit, für einen Sinn, der sich visuell nur ausdrücken, aber nicht beschreiben lässt, oder für eine Situation, deren Gründe und Konsequenzen sich noch nicht feststellen lassen. In diesem Sinne ist Unschärfe eine kritische Form, die sich insbesondere in unserer vernetzten digitalen Kultur in unterschiedlichen Zusammenhängen wiederfindet.